Gut in Schale mit gutem Gewissen

Bio ist in der Lebensmittelbranche seit vielen Jahren Trend – was wir essen soll am besten direkt aus Nachbars Garten stammen und frei sein von chemischem Schnickschnack. Nicht nur ans Gemüse werden heute hohe Ansprüche gestellt. Deshalb kann öko-faire Mode mehr als nur gut auszusehen. Tragbarkeit und Schadstofffreiheit sind Benefits, die sie neben einem sauberen Gewissen zu bieten hat und in Sachen Style steht sie konventioneller Kleidung in nichts nach.

Mächtig Vorschub leisteten der grünen Welle Berichte über katastrophale Produktionsbedingungen vieler Mode-Multis in Entwicklungsländern. Was bei uns verboten ist, gehört in Ländern wie China, Indonesien und Bangladesch, wo die meisten westlichen Bekleidungsfirmen produzieren lassen, zum Alltag. Die gute alte Baumwolle wird zum Beispiel im konventionellen Anbau stark mit Chemikalien behandelt: 10% aller in der Landwirtschaft eingesetzten Chemikalien und 25% aller Insektizide entfallen auf die Baumwolle, die nur auf 2,4% der weltweiten Ackerflächen wächst. Hoch giftige Abwässer werden zum Teil ungeklärt in Flüsse, Seen und Meere geleitet.

Da inzwischen viele Menschen wissen was vor sich geht, steigt die Nachfrage nach öko-fairen Produkten. Zwar trugen 2012 nur 3,7% aller verkauften Kleidungsstücke entsprechende Siegel. Die Gesellschaft für Konsumforschung geht jedoch davon aus, dass es sich um ein wachsendes Segment handelt. Aus Sicht der Verbraucher gibt es verschiedene Möglichkeiten, dem guten Gewissen und der Optik gleichermaßen gerecht zu werden:

„Buy less, choose well, make it last“ Vivienne Westwood
Hand auf’s Herz! Wer von uns hat nicht mindestens zehn Teile im Schrank hängen, die nach – wenn es hochkommt – einmaligem Anziehen nie wieder das Tageslicht erblickt haben? Wer wenige ausgewählte Stücke kauft, hat länger etwas von seiner Garderobe und setzt ein Zeichen gegen billig produzierte Massenware. Wenn immer mehr Menschen auf Qualität und verantwortliche Produktion bestehen, werden sich die Hersteller langfristig anpassen um ihre Marktchancen zu sichern. In Berlin, München und Essen bietet zum Beispiel DearGoods in kleinen feinen Läden grüne Mode, die sich sehen lassen kann. „Global responsible fashion“ hat sich das Team von glore auf die Fahnen geschrieben. Hier werden ausschließlich Marken verkauft, die fair gehandelte und ökologisch nachhaltige Mode mit ethischen Anspruch bieten, zu finden in Hamburg, München, Nürnberg, Stuttgart und Luzern und im Online-Shop. Im Kiez Berlin Friedrichshain kombiniert Loveco Qualität und Design mit Fairness und Ökologie.

Einmal ist keinmal
Deshalb gehen gute Kleider auch locker in die zweite Runde. Secondhand-Läden gehören in den Szenebezirken vieler Großstädte bereits zum Straßenbild – von Secondhand-Urgestein Humana bis zu kleinen hippen Boutiquen, in denen das ein oder andere Designerstück auf seinen neuen Besitzer lauert. In Berlin kennen viele sicher den Sommerladen in der Linienstraße oder Soeur im Winsviertel. Inzwischen wird Secondhand allgemein akzeptiert, zum Teil sogar favorisiert – immerhin enthält gebrauchte und bereits mehrfach gewaschene Kleidung weniger Giftstoffe und den Geldbeutel schont sie auch. Wer nicht das Glück hat, in einer mit Secondhand-Läden und Flohmärkten großzügig versorgten Gegend zu leben, kann auf Internet-Seiten wie Mädchenflohmarkt oder Rebelle schauen was anderer Leute Kleiderschränke zu bieten haben und sich die Käufe auch noch bequem nach Hause liefern lassen.

Siegel mit Sinn
Für Textilien gibt es verschiedene Auszeichnungen, die Standards in Sachen ökologischer und sozialer Verträglichkeit der Rohstoffe und Herstellung bemessen. Aus Käufersicht ist es nicht leicht den Überblick zu behalten, welche Siegel vertrauenswürdig sind und welche eher Marketingzwecken dienen, einige haben sich jedoch branchenweit durchgesetzt:
Mit dem Fairtrade Siegel wird Baumwolle ausgezeichnet, die unter fairen Bedingungen gehandelt wird und damit menschenwürdige Arbeitsbedingungen der Hersteller unterstützt.
Statt ein Siegel zu vergeben, fördert die Fair Wear Foundation menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Firmen können Mitglied werden und werden daraufhin in ihren Produktionsstandards kontrolliert.
Das GOTS (Global Organic Textile Standard) Siegel erhält Kleidung mit einem Anteil von 70 bis 90 Prozent Biofasern. Zertifiziert werden ökologische Standards beim Anbau der Rohmaterialien und eine umwelt- und sozialverträgliche Produktionsweise.
Die Standards von IVN Best zählen zu den strengsten in der Textilbranche – sie liegen weit über den Anforderungen der Gesetzgeber. Bewertet werden ökologische und soziale Standards in der Produktion.
Der Faser-Benchmark von Made-By vergleicht die Umweltauswirkungen der am häufigsten verwendeten Fasern und berät große Modehersteller bei der Umstellung der Lieferkette. Bewertet wird jährlich neu anhand einer Scorecard.
Das Oeko-Tex 100 Siegel ist das am weitesten verbreitete Siegel. Bewertet werden vier Produktklassen – von der Kinderwäsche bis zu Dekorations- und Ausstattungsmaterialien.

Die wissen wie es geht
Eine beträchtliche Anzahl öko-fairer Labels hat den Sprung aus der Nische geschafft und kann in Sachen Style und Tragbarkeit gut mit den konventionellen Pendants mithalten.
Zum Beispiel setzt das in Köln ansässige Label Armed Angels auf auf zeitloses Design und nachhaltige Materialien, wie Bio-Baumwolle, Lyocell, recyceltes Plastik und Modal. Verkauft wird online und in Ladengeschäften in sechs Ländern. Die Produkte von Armed Angels sind unter anderem mit dem GOTS Siegel und dem Fairtrade Siegel ausgezeichnet.
Weder Menschen noch Tiere sollen für ihre Produkte bluten – so die Idee von bleed. Das Label bietet ökologisch, vegan und fair produzierte Sport- und Streetwear, aus Oberfranken.
Das Düsseldorfer Label wunder(werk) bietet zeitgemäße Designs kombiniert mit nachhaltigen Materialien. Erst seit zwei Jahren auf dem Markt, verkaufen sie ihre Mode bereits in sechzig deutschen Städten und im Online-Shop.

 

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Jenny Möller Verfasst von:

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