So nah so gut – 7 Tipps für den regionalen Einkauf

Regionale Lebensmittel sind beliebter denn je – sie sind gut für die Umwelt, kurbeln die Wirtschaft vor Ort an und überzeugen durch Frische und Qualität. Viele Menschen sind dafür sogar bereit, etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen.

Wer wirklich klug regional einkaufen möchte, schaut jedoch besser genau hin, denn die echten Schätze tragen oft den viel gepriesenen Heimvorteil nicht offensichtlich auf dem Etikett.

1. regional + saisonal = prima für’s Klima
Äpfel aus Werder haben einen kürzeren Weg ins Supermarktregal als ihre neuseeländischen Kollegen und erzeugen somit weniger CO2 beim Transport – das leuchtet ein. Allerdings fanden Klimaforscher heraus, dass Obst und Gemüse, die ganzjährig im Kühlhaus gelagert werden, ebenso viel Treibhausgas auf dem Buckel haben wie die weit gereisten. Sinnvoll ist daher der Verzehr saisonaler Lebensmittel. Saisonkalender für Obst und Gemüse sind im „Nachhaltigen Warenkorb“ des Nachhaltigkeitsrates zu finden und bei Utopia.

2. Besseres Aroma, geringeres Tierleid
Regionales Obst und Gemüse werden näher am Reifezeitpunkt geerntet. Dadurch haben sie ein besseres Aroma und können mehr Vitamine und Mineralstoffe aufbauen. Bei Obst und Gemüse müssen mit einigen Ausnahmen seit 2007 die Anbauländer gut lesbar auf der Verpackung stehen, bzw. bei lose verkaufter Ware auf einem Schild ersichtlich sein.

In der Fleischproduktion bedeuten kurze Wege vom Mastbetrieb zum Schlachthof weniger Stress für die Tiere. Woher das Fleisch kommt, ist allerdings auf den ersten Blick schwieriger zu erkennen: Vorgeschrieben ist ein Identitäts- oder Genusstauglichkeitskennzeichen im Stil eines KFZ-Nummernschildes, das sich in erster Linie an Kontrollbehörden richtet. Wer es genau wissen möchte, kann auf der Website des Bundesamtes für Verbraucherschutzes nach dem Herkunftsbetrieb forschen.

Eier erhalten einen Stempel, der über Haltungsform und Herkunftsort informiert. Zusammengesetzt ist der Code aus einem Kürzel für das Ursprungsland (beispielsweise DE) und einer Zahlenfolge, die den Legebetrieb angibt.

3. Vertrauensbonus und Einkaufserlebnis
Wer beim Hofladen kauft, kann sich persönlich von der Qualität der Ware und der Herstellungsprozesse überzeugen. Das gibt Sicherheit und ein gutes Gefühl. Kaufkraft und Wertschöpfung bleiben auf diese Weise in der Region.

Beim Einkauf auf dem Wochenmarkt trifft der ein oder andere vielleicht seinen Nachbarn oder hält ein freundliches Schwätzchen mit der Verkäuferin am Stand. In den USA machen sich Wochen- und Bauernmärkte diesen Aspekt bereits zunutze und fördern ihn gezielt mit Aktionen wie „bring a friend to the market“. Lust auf Wochenmarkteinkäufe macht übrigens auch dieser Film.

In Großstädten haben sich Streetfood-Märkte in Markthallen etabliert. Sie bescheren den Besuchern kulinarische Köstlichkeiten mit einem entschleunigten Back-to-the-Roots-Gefühl.

Abo- oder Ökokisten punkten mit dem unschlagbaren Charme der Bequemlichkeit: Sie werden im gewünschten Turnus direkt vor der Wohnungstür platziert. Die Regionalkiste des Verbands Ökokiste enthält ausschließlich Obst und Gemüse aus der Region. Weitere Anbieter sind zum Beispiel die Märkische Kiste und gegessen wird immer.

4. Regional ist nicht gleich bio
An regionale Produkte werden nicht die gleichen Ansprüche gestellt wie an Bio-Produkte. So ist zum Beispiel auch der Einsatz von Pestiziden und Gentechnik möglich. Regionale Produkte werden nicht von staatlichen Kontrollbehörden überprüft. Wer Wert auf ökologische und tiergerechte Produkte legt, sollte neben der Regionalität beim Einkauf auf Bio-Siegel achten.

5. Getrennte Verarbeitungsstätten
Manche Produkte werden zwar regional hergestellt, aber zur Weiterverarbeitung über weite Strecken transportiert. So produziert beispielsweise ein großer Hersteller von Milchprodukten in Mecklenburg einen Käse mit dem Namen „Müritzer“. Geschnitten und abgepackt wird im knapp 380 Kilometer entfernten Edewecht in Niedersachsen. Bis zum Supermarkt macht besagter Käse also einen klitzekleinen Umweg von 700 Kilometern.

6. Irreführende Werbung
Neben Produkten, die nichts oder wenig mit den Orten zu tun haben, die sie im Namen tragen, gibt es solche, die laut Etikett „aus der Region“ stammen, ohne dass ein geografischer Bezug hergestellt wird. Das heißt eine Leberwurst „aus der Region“ könnte ebenso gut den Weg von Ulan Bator hierher genommen haben. Die Richtigkeit und Stimmigkeit der Angaben wird in vielen Fällen nicht kontrolliert.

7. Verbindliche Siegel
Seit 2014 gibt das Regionalfenster darüber Aufschluss, woher die Rohstoffe für ein Produkt kommen und wo sie verarbeitet wurden. Dies gelingt zum Teil ganz gut, wie Tests in ausgewählten Märkten gezeigt haben. Verbraucherschützer bemängeln jedoch, dass bei zusammengesetzten Produkten nur gut die Hälfte des Gewichts aus regionalen Zutaten bestehen muss um das Siegel erhalten zu können. Die Supermärkte bewerben das Label nicht konsequent, somit profitieren vor allem Verbraucher von dem Label, die ohnehin gut informiert sind.

Als sicher gilt das EU-Gütezeichen geschützte Ursprungsbezeichnung, das garantiert, dass ein Produkt in einem bestimmten Gebiet und nach einem bestimmten Verfahren hergestellt wurde (Parmaschinken).

Bei der geschützten geografischen Angabe müssen Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung in besagter Region erfolgt sein. (Nürnberger Lebkuchen dürfen z.B. nur dort hergestellt werden, während die Zutaten nicht aus Nürnberg stammen müssen).

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Jenny Möller Verfasst von:

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